US-Konsum erweist sich als widerstandsfähig

Kolumne mit Dr. Jörg Zeuner

Gute Vorsätze

07. November 2022 – Auch in einem von Krisen geprägten Jahr wie 2022 steht irgendwann Weihnachten vor der Tür; im Einzelhandel die umsatzstärkste Zeit des Jahres. In den USA schreiben die Einzelhändler am Freitag nach dem Erntedankfest, bekannt als Black Friday, traditionell das erste Mal im Jahr schwarze Zahlen – auch dank einer Rabattschlacht, die das Weihnachtsgeschäft einläutet. Kommenden Freitag ist es wieder so weit.

Zwar fielen die Ergebnisse von Handelsriesen wie Walmart und Target jüngst gemischt aus. Doch die US-Einzelhandelsumsätze für Oktober überraschten positiv. Der Konsum jenseits des Atlantiks zeigt sich trotz der hohen Inflation robust. Das ist gut und schlecht zugleich: Ein solider Konsum stützt das Wachstum, könnte aber auch ein Hinweis auf weiteren Preisdruck sein. Unserer Ansicht nach hat die Teuerung den Höhepunkt überschritten. Mitte 2023 sollte sie bei knapp 3,5 Prozent liegen, zwölf Monate zuvor waren es noch mehr als neun Prozent. Das nährt die Hoffnung, dass sich der Zinserhöhungszyklus der Federal Reserve bald seinem Ende zuneigt.

Wir erwarten, dass die US-Wirtschaft durch die schnelle Straffung der Geldpolitik trotz des jüngsten Konsumplus im ersten Halbjahr 2023 in eine milde Rezession gleiten wird. Im zweiten Halbjahr sollte der Mix aus Wachstum und Inflation dann deutlich vorteilhafter werden. Das wären gute Nachrichten nicht nur für Einzelhändler, sondern auch für die Börsen, wo sich die Kauflaune verbessern könnte.

Dr. Jörg Zeuner

Dr. Jörg Zeuner ist seit Juni 2019 Chefvolkswirt und leitet den Bereich Research & Investment Strategy des Portfoliomanagements von Union Investment. Seine Einschätzung zu aktuellen Kapitalmarktthemen erscheinen regelmäßig.

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