Was bedeutet Stagflation?
Donnerstag, 23.06.2022

Was bedeutet Stagflation?

Preisanstieg bei gleichzeitigem Wirtschaftsrückgang

Schon während der Corona-Pandemie wurde in den Medien öfter ein Begriff erwähnt, der als eines der gefürchtetsten Szenarien für eine Volkswirtschaft gilt und vor einem halben Jahrhundert die Weltwirtschaft stark belastete: Stagflation. Durch den Krieg in der Ukraine nimmt das Wort mittlerweile einen festen Platz in den wirtschafts- und geldpolitischen Debatten ein. Warum wird gerade jetzt so häufig von Stagflation gesprochen, und welche Folgen könnte sie für Anleger und die Weltwirtschaft haben? Hier erfahren Sie alles Wissenswerte über diese außergewöhnliche Wirtschaftsphase und warum wir derzeit immer häufiger davon lesen oder hören.

Definition

Stagflation ist eine Zusammenführung der Begriffe Stagnation und Inflation. Der volkswirtschaftliche Ausdruck beschreibt eine Phase, in der das Wirtschaftswachstum stockt (Stagnation) oder rückläufig ist (Rezession), während gleichzeitig die Preise für Waren und Dienstleistungen steigen (Inflation). Dieses zeitgleiche Zusammenspiel von wirtschaftlichem Stillstand und steigender Inflation war in den letzten Jahrzehnten eher in Schwellen- oder Entwicklungsländern anzutreffen. In Industrienationen zeigen sich erhöhte Inflationsraten in der Regel als vorübergehende Begleiterscheinung einer Hochkonjunktur und gingen in der Vergangenheit höchst selten mit einem Wirtschaftsabschwung einher.

Wie entsteht Stagflation?

Auslöser von Stagflationen sind sogenannte Angebotsschocks: Kann beispielweise ein Rohstoff wie Erdöl oder Gas nicht mehr in gewohnter und benötigter Menge geliefert werden, führt die Verknappung dazu, dass er enorm teuer wird. Das überträgt sich dann über höhere Produktionskosten auf die Unternehmen. Diese reagieren in der Regel mit einer Erhöhung der Produktpreise – oder aber einer Drosslung des Angebots. Beides führt dazu, dass die Kaufkraft schwindet. Einerseits belasten hohe Preise die Haushaltsbudgets. Die Verbraucher müssen für bestimmte Güter wie Heizung oder Nahrungsmittel mehr ausgeben und werden wählerischer – die Nachfrage lässt nach. Wenn die Unternehmen andererseits das Angebot zurückfahren, bedeutet das eine geringere Produktion und einen Arbeitsplatzabbau. In der Folge steigt die Arbeitslosigkeit, die verfügbaren Einkommen sinken. Auch in diesem Fall wird die Kaufkraft geringer und das Wirtschaftswachstum geht zurück. Da auch Zweitrundeneffekte auftreten – etwa wenn aufgrund der gestiegenen Inflation Lohnerhöhungen durchgesetzt werden – verfestigt sich der Preisdruck, obwohl die Nachfrage zurückgeht. Es treten somit zwei Ereignisse gleichzeitig auf, die sich normalerweise ausschließen: Durch die Preiserhöhungen entwickelt sich eine Inflation. Zeitgleich kommt es durch die Verringerung der Produktion zu einer Stagnation. Die Stagflation nimmt ihren Lauf.

Bulle und Baer

Wie kann Stagflation bekämpft werden?

Es gibt bewährte Mechanismen, die eine Stagnation stoppen, und andere, die eine Inflation eingrenzen können. Die Maßnahmen schließen sich allerdings gegenseitig aus. Das macht ein wirtschafts- und geldpolitisches Eingreifen während einer Stagflation besonders schwierig. Bisher gibt es auch kaum Erfahrungswerte und damit keine gängigen Regieanweisungen, die bei einer Stagflation in Industrienationen eingesetzt werden könnten. Die Entscheider stecken in einer Zwickmühle: Denn in der Regel senkt die Notenbank die Zinsen, um einer Stagnation entgegenzuwirken und die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Bei einer steigenden Inflation dagegen wird genau das Gegenteil versucht: Zinserhöhungen sollen die Nachfrage und damit auch die Preissteigerungen ausbremsen. Wird also die Geldmenge durch höhere Zinsen reduziert, senkt das zwar die Inflation. Aber die Maßnahme sorgt gleichzeitig dafür, dass die Stagnation fortschreitet oder gar in eine Rezession (Schrumpfung der Wirtschaft) mündet. Andersherum: Wenn konjunkturfördernde Maßnahmen ergriffen werden, befeuert das die Inflation. Sobald sich eine Stagflation abzeichnet, gilt es daher genau abzuwägen, welche Maßnahmen ergriffen werden können, um die negativen Folgen weder in die eine noch in die andere Richtung zu verstärken.

Beispiel: Stagflation in den 70er Jahren

Die ungewöhnliche Konstellation einer Stagflation ist selten in der Wirtschaftsgeschichte der Industrieländer – aber es gibt sie: Ein Beispiel ist die weltweite Ölkrise in den 1970er Jahren. Vor dieser Wirtschaftskrise hielten Ökonomen es noch für unmöglich, dass steigende Inflationsraten zeitgleich mit einer stagnierenden Wirtschaft auftreten können. Als aber die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) damals aus politischen Gründen beschloss, weniger Öl zu fördern und das Angebot damit zu verknappen, verdoppelte sich während weniger Jahre (1973 bis 1975) der Preis dieses Rohstoffs. Die höheren Produktionskosten wurden an die Verbraucher weitergegeben und die Preise für Güter stiegen insgesamt.

Um diese Preissteigerungen auszugleichen, forderten die Gewerkschaften höhere Löhne. Eine Lohn-Preis-Spirale begann sich zu drehen. Die Folge waren Entlassungen, da neben den erhöhten Rohstoffpreisen nun auch die Personalkosten stiegen – während die Nachfrage gleich blieb. Durch die hohe Arbeitslosigkeit sanken aber die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen und damit auch die Umsätze. Das Ergebnis war eine Stagflation: Die Wirtschaft stockte zunächst und fiel dann in eine Rezession, die Arbeitslosenzahlen gingen nach oben, während die Preise durch die hohen Kosten stiegen. Erst als sich der Ölpreis wieder stabilisierte, löste sich die Stagflation auf und die wirtschaftliche Lage entspannte sich wieder.

Ist eine Stagflation derzeit befürchtet?

Die ungewöhnliche Konstellation einer Stagflation ist selten in der Wirtschaftsgeschichte der Industrieländer – aber es gibt sie: Ein Beispiel ist die weltweite Ölkrise in den 1970er Jahren. Vor dieser Wirtschaftskrise hielten Ökonomen es noch für unmöglich, dass steigende Inflationsraten zeitgleich mit einer stagnierenden Wirtschaft auftreten können. Als aber die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) damals aus politischen Gründen beschloss, weniger Öl zu fördern und das Angebot damit zu verknappen, verdoppelte sich während weniger Jahre (1973 bis 1975) der Preis dieses Rohstoffs. Die höheren Produktionskosten wurden an die Verbraucher weitergegeben und die Preise für Güter stiegen insgesamt.

Um diese Preissteigerungen auszugleichen, forderten die Gewerkschaften höhere Löhne. Eine Lohn-Preis-Spirale begann sich zu drehen. Die Folge waren Entlassungen, da neben den erhöhten Rohstoffpreisen nun auch die Personalkosten stiegen – während die Nachfrage gleich blieb. Durch die hohe Arbeitslosigkeit sanken aber die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen und damit auch die Umsätze. Das Ergebnis war eine Stagflation: Die Wirtschaft stockte zunächst und fiel dann in eine Rezession, die Arbeitslosenzahlen gingen nach oben, während die Preise durch die hohen Kosten stiegen. Erst als sich der Ölpreis wieder stabilisierte, löste sich die Stagflation auf und die wirtschaftliche Lage entspannte sich wieder.

Wie können Anleger reagieren?

Eine Stagflation stellt nicht nur Politik und Wirtschaft, sondern auch Anleger vor eine große Herausforderung. Tendenziell behaupten sich während einer Stagflation eher defensive Unternehmen – also Konzerne, deren Produkte und Dienstleistungen für den Alltag der Menschen unverzichtbar sind. Derzeit ist es für viele Privatanleger aber schwierig, gute Entscheidungen ohne professionelle Hilfe zu treffen. Wenn Sie Fragen zu Ihrer Geldanlage haben, sprechen Sie mit Ihrem Bankberater aus der genossenschaftlichen Bankengruppe.

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