Coronavirus und die Kapitalmärkte
 

Ist die Krise schon ausgestanden?

23.4.2020: Die Kapitalmärkte erholen sich seit Mitte März – nach den vorausgegangenen starken Kurseinbrüchen – und konnten immerhin einen Teil der Verluste wieder aufholen. Grund hierfür waren erste Anzeichen, dass sich die Ausbreitung des Coronavirus in Europa verlangsamt – vor allem in den besonders stark von der Epidemie betroffenen Ländern Italien und Spanien, aber auch in Österreich und Deutschland. Investoren hoffen nun, dass die Eindämmungsmaßnahmen gegen die Verbreitung des Virus schrittweise gelockert werden. In einigen Ländern wurden auch schon Lockerungsmaßnahmen umgesetzt.

Zusätzlich sorgten die umfangreichen Unterstützungspakete von Notenbanken und Regierungen für steigende Kurse. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat beispielsweise ihr Anleihekaufprogramm um 750 Milliarden Euro drastisch ausgeweitet. Dieses Programm stützt die Anleihekurse entsprechend, die zuvor stark in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Zudem haben die Notenbanker Maßnahmen beschlossen, um die Kreditvergabe an die Wirtschaft zu verbessern. Damit hilft die EZB den europäischen Unternehmen, die wegen der Eindämmungsmaßnahmen und Kontaktsperren stark unter Druck gekommen sind.

Die Regierungen haben ebenfalls weitreichende Hilfen beschlossen, um die Folgen der Ausbreitung des Virus abzufedern. In Deutschland verabschiedete die Bundesregierung ein Paket von historischem Ausmaß, darunter Kredite und Garantien, um die Gesundheit der Bürger zu schützen und Arbeitsplätze und Unternehmen abzusichern. Für die USA wurde kürzlich ein viertes Rettungspaket beschlossen. Insgesamt stehen Mittel in Billionenhöhe zur Verfügung.

Beispiellose Rettungspakete reichen nicht aus

Die Hilfspakete sind gewaltig und mildern die negativen Effekte der Corona-Pandemie ab – allerdings reichen sie nicht aus, um die Krise nachhaltig zu überwinden. Zu groß sind die wirtschaftlichen Folgen. Da in vielen Ländern der Welt das öffentliche Leben mehr oder weniger brachliegt, sind die Einbußen für die Unternehmen enorm. Die Arbeitslosigkeit wird weiter ansteigen, was sich negativ auf den Konsum auswirkt. Auch die Investitionstätigkeit der Unternehmen dürfte aufgrund der wegbrechenden Nachfrage spürbar zurückgehen.

Die Volkswirte von Union Investment haben ihre Wachstumsprognosen für das laufende Jahr deutlich gesenkt, denn schon für das erste Quartal 2020 sind bereits deutliche konjunkturelle Bremsspuren sichtbar. Die Experten rechnen im Euroraum 2020 mit einem Wachstumseinbruch um 6,5 Prozent. Für die USA wird ein Rückgang der Wirtschaftsleistung von 6,0 Prozent erwartet. Es wird also zu einer tiefen Rezession kommen. Die Erholung wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Ab Mitte des Jahres 2021 gehen die Experten bei Union Investment aber von einer nachhaltigen Verbesserung der konjunkturellen Lage aus.

Was bedeutet dieses Umfeld für Anleger?

Die Kapitalmärkte zeigten sich zuletzt von den wirtschaftlichen Auswirkungen unbeeindruckt. Sie fokussierten sich darauf, dass es in manchen Ländern zu ersten Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen kommt. Kurzfristig kann es daher durchaus weitere Kursgewinne am Aktienmarkt geben. Auch wenn erste vorsichtige Fortschritte im weltweiten Kampf gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie erkennbar sind, bleibt die Lage aber fragil und die Börsen anfällig. Auf mittlere und längere Sicht sind die Perspektiven am Kapitalmarkt weiter aussichtsreich. Für mittel- bis langfristig orientierte Anleger bieten sich also durchaus Chancen, die niedrigeren Kursniveaus zum Einstieg oder Aufstocken von Positionen zu nutzen.


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